Ein bisschen mehr Kultur im Blätterwald

5. Juni 2009 | Kein Kommentar

Ich muss zugeben, dass ich im letztem Jahr eine der gängigen Fernsehzeitschriften abonniert habe. Es war mir schlicht zu mühsam daran zu denken, pünktlich eine Zeitschrift zu kaufen, wenn der Samstag kommt. Sich zu entscheiden, welche Zeitschrift man nimmt, ist gar nicht so einfach, weil alle gleich aussehen und teilweise identische Inhalte anbieten. Auf den Titelseiten finden sich meist halbnackte, retuschierte Schönheiten. Die Hefte sind schön dick, was daran liegt, dass vor und nach dem Programmteil viele schöne Geschichten stehen, über Promis, Stars und Sternchen, Kaufanreize für DVDs und Multimediaschnäppchen, die ich unbedingt brauche – das jedenfalls suggeriert man mir. Mir wäre es lieber, man würde das weglassen und dafür die Zeitschrift billiger machen, aber auf mich hört man nicht.

Was das hier zu suchen hat? Ich habe im aktuellen journalist, der Zeitschrift des Deutschen Journalistenverbands einen interessanten Artikel entdeckt, der von einem neuen Projekt zweier Frankfurter Journalisten berichtet, die mit einer neuen Fernsehzeitschrift auf den Markt wollen. Ein Dummy, ein Muster, hat man auch schon produziert. Die neue Zeitschrift soll “PROGRAMM – MAGAZIN FÜR FERNSEHEN UND KULTUR” heißen.

Leider blitzten die beiden mit ihrer Idee bei den großen Verlagen bisher ab. Der Markt sei gesättigt, die Zielgruppe zu spitz (die Zielgruppe ist zu klein und zu deutlich eingegrenzt) – um Ausreden ist man in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht verlegen, um das Projekt nicht auszuprobieren. Dabei wäre es genau die Fernsehzeitschrift, die ich mir wünschen würde und ich glaube, viele andere auch. Tolles Design, keine Texte von der Stange und ein gehobenes Niveau rund um Fernsehen und Kultur und abseits des Promigeplauders. Angeblich sei sie auch zu teuer, dabei wäre ich gerne bereit, 2,50 Euro und damit einen Euro mehr auszugeben, wenn ich dafür das Heft in der angebotenen Qualität bekäme! Dass die Idee funktionieren kann, zeigt Télérama in Frankreich mit einer Auflage von 50.000 bis 100.000 Exemplaren pro Ausgabe. Liebe deutsche Verlage: Ihr seid Feiglinge!

Titelbild des Dummy von PROGRAMM

Titelbild des Dummy von PROGRAMM

Warum ich das schreibe? Ich habe die Hoffnung, dass möglich viele Menschen davon Wind bekommen und das Heft abonnieren wollen. Das kann man bereits, zwar ist das nur eine Absichtserklärung und kein rechtsverbindliches Abonnement, aber vielleicht wird die Zahl der Abowilligen so groß, das sich doch noch Verlag findet. Zu wünschen wäre es! Ich würde glatt kostenlos arbeiten…

Mehr unter: www.programm-magazin.de

So geht es nicht weiter

9. November 2007 | Kein Kommentar

In der FAZ philosophieren Julia Voss und Niklas Maak über den Zustand der Gegenwartskunst. Wirklich lesenswert!

Lahmer Bilderstreit

30. Oktober 2006 | 3 Kommentare

Die Kunst hat es in den Medien nicht leicht. Im Feuilleton wird sie zu Gunsten “gesamtgesellschaftlicher Debatten” immer weiter zurückgedrängt, im Fernsehen fristet sie in Kultursendungen ein Schattendasein. Während es mehrere (gute) Literatursendungen gibt, Konzerte live übertragen werden und das ZDF sogar einen Theaterkanal unterhält, hat die Bildende Kunst lediglich in 3sat einen eigenen Sendeplatz. Sechs Mal im Jahr diskutieren hier vier Experten am späten Samstag Abend über Kunst und aktuelle Ausstellungen.

Leider ist das meist so langweilig, dass es sich kaum jemand anschaut und auch ich regelmäßig einschlafe, weil der Debattierclub unter Meinungsführerschaft von Bazon Brock weder Interesse an Kunst oder den Ausstellungen wecken, noch fördern kann. Ausgerechnet über Kunst, die man doch unbedingt mit den Sinnen erfahren sollte, wird hier geredet und gestritten, als ob es um die Gesundheitsreform ginge. Mein Vorschlag: Weg damit und ein anständiges Magazinformat an einem anderen Tag zu einer besseren Uhrzeit.

Mehr: http://www.swr.de/bilderstreit/

BILD und die Kunst

22. Juni 2006 | 2 Kommentare

Da erfreut uns doch gestern die BILD-Zeitung mit einer wunderschönen feuilletonistischen Kritik und dann stellt sich heraus, dass uns die BILD nicht ganz die Wahrheit gesagt hat. Online und mit hübschen Bildern berichtet die Zeitung von einem 500-Personen-haben-gleichzeitig-Sex-Happening und fragt, ob das noch Kunst sei und Kunst käme doch von Können. 250 japanische Pärchen hatten in einer Lagerhalle Sex miteinander, übten in Reih und Glied diverse Praktiken synchron aus.

Leider verschweigt man uns, dass es sich nicht wirklich um eine Kunstaktion handelte, sondern um eine Pornoproduktion, die man gegen Bezahlung aus dem Internet runterladen kann. Schade eigentlich, da hätte der Begriff “kinetische Kunst” ganz neue Dimensionen bekommen. Aber für manche ist wohl auch ein Porno ein filmisches Kunst-/Meisterwerk. Wie gut, dass das Wort “Journalismus” nichts mit Können zu tun hat.

Gefunden bei www.bildblog.de

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