1. April 2008
Jedes Jahr Ende März veröffentlicht “Le Journal des Arts” die Statistik der Museen- und Ausstellungsbesucher des vorangegangenen Jahres. Und jedes Jahr wieder die gleiche Enttäuschung: kein deutsches Museum ist unter den ersten Zehn. Gut, das ist sicher kein Gradmesser für die Qualität der Häuser und ihrer Ausstellungen. Ganz im Gegenteil, das predige ich ja selbst immer wieder, aber schön wäre es schon, jedes Jahr wenigstens ein oder zwei deutsche Museen in der Liste zu haben.

Auf Platz eins und Platz zwei liegen die wichtigsten französischen Museen mit unschlagbaren 8,3 Millionen (!) Besuchern im Louvre und 5,5 Millionen Besuchern im Centre Pompidou. Auf Platz drei folgt dann das British Museum in London mit 5,4 Millionen Besuchern und dann die Tate Modern (London) mit 5,1 Millionen Gästen.
[via buzzeum.com ]
8. Januar 2008
Historiker haben es nicht leicht. Den ganzen Tag sitzen sie beim Quellenstudium im kleinen Kämmerlein und arbeiten still und unbemerkt vor sich hin. Aber wehe wenn sie losgelassen! Da er klärt uns doch der Historiker und Schriftsteller Philipp Blom in der Zeit, dass wir Museen eigentlich nicht bräuchten und wir sie abschaffen sollten und das alles, weil die eh nur Altes verehren, statt Neues zu zeigen. Uns fehle einfach der Mut zur Vergänglichkeit, viel zu viel Ballast würden wir mit uns herumschleppen.
Seine Argumentation folgt der These, dass wir in unserem Kultur Altes nur verehren, weil es alt ist. Blom versteigt sich zu dieser These, weil er bei einem Besuch in Fontainbleau bemerkt, dass die Vorhänge in Napoleons Appartement verschlissen und ausgeblichen sind. Herr Blom, wir schauen uns die verschlissenen Vorhänge von Napoleon an, weil sie uns den Menschen und den Herrscher näher bringen. Sie vergessen, dass nicht nur Historiker durch die Hallen von Fontainbleau wandeln, sondern auch Normalsterbliche, die Geschichtsbücher normalerweise seit der Schulzeit nicht mehr in die Hand genommen haben. Für diese Menschen ist Fontainbleau eine kleine Begegnung mit der Geschichte und eine anschauliche noch dazu.
Und verehren wir Tintoretto, Tizian oder Rembrandt weil sie „alte“ Meister sind? Nicht wirklich, jedenfalls nicht diejenigen unter uns, die noch zum Sehen fähig sind und dem Reiz immenser Farb- und Lichtspiele auf der Leinwand erliegen können. Und Picasso? Dürfen wir den noch verehren oder sollten wir den auch als Ballast über Bord werfen?
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9. November 2007
Berlin mausert sich. Die Kunst in der Stadt boomt. Das einstige Provinznest Berlin wird zur kulturellen Metropole. Kaum ein Tag vergeht, an dem sich nicht irgendein renommierter Künstler niederlässt oder ein Zweitatelier in der Stadt eröffnet. Kaum ein Tag, an dem nicht ein neues Museum oder eine neue Galerie geplant, gebaut oder eröffnet wird. Nachdem in den letzten Wochen viel über den Bau der temporären Kunsthalle “White Cube Berlin” geschrieben wurde, ist jetzt der Kupfergraben in aller Munde. Dort, direkt in Sichtweite der Museumsinsel hat sich Sammler Heiner Bastian niedergelassen und von Stararchtiekt David Chipperfield einen Neubau errichten lassen und damit eine begehrte Baulücke geschlossen.
Die oberen Stockwerke des Tageslicht durchfluteten Baus nutzt Bastian zur Präsentation zeitgenössischer Kunst. In die unteren Räume ist die Galerie Contemporary Fine Arts eingezogen. Bastian eröffnet seine Räume mit einer Ausstellung zu Damien Hirst, die Galerie Contemorary Fine Arts mit Walter Pichler. Der Bau ist innen und außen eine wahre Augenweide und für den Ausstellungsbetrieb wirklich ideal. Allerdings wirkt er auf mich dort ein bisschen wie ein Fremdkörper, eine Lösung, die sich in die Architektur der Umgebung besser eingepasst hätte, wäre wohl klüger gewesen.
4. Juni 2007
In Italien schießen momentan neue Museen für zeitgenössische Kunst wie Pilze aus dem Boden. Neubauten, Renovierungen, Anbauten – momentan darf sich die Baubranche wirklich freuen. Nach dem Maxxi in Rom, dem Museion in Bozen, dem MART in Rovereto (und was weiß ich wo sonst noch) eröffnete jetzt auch in Bologna ein neues Museum für moderne und zeitgenössische Kunst: das MAMbo.Die erste Ausstellung ist schon ein kleines Schmankerl: Das Museum schlägt einen Bogen vom Futurismus bis zur Computerkunst abseits gängiger Kunstgattungen.