17. April 2008
Die Maler der Neuen Leipziger Schule haben einiges gemeinsam. Sie studierten in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Ihre Lehrer und deren Lehrer waren Mitglieder der Leipziger Schule, klangvolle Namen wie Heisig, Tübke, Rink und Gille. Sie sind alle Maler, malen gegenständlich; Stil, Ausdrucksmittel und Themen sind ähnlich.
Aber sie haben nie selbst versucht, sich als Gruppe zu definieren und sich in den letzten Jahren sogar bewusst voneinander abgesetzt. Sie haben sogar das Ende der Leipziger Schule verkündet. Sie wollten sich verändern, nicht stagnieren und nicht als Gruppe identifiziert werden. Geholfen hat es Ihnen wenig. Die “Neue Leipziger Schule” ist in aller Munde und keiner der Künstler wird genannt, ohne das nicht auch der Name der Kunstströmung fällt, wie auch dieser Artikle zeigt. Das hat aber auch Vorteile. Die Preise stiegen ins Astronomische und einige von Ihnen gehören inzwischen zu den wichtigsten Malern der Gegenwart. » Weiterlesen «
9. Januar 2008
Ich wollte schon seit Wochen darauf hinwiesen und hab es ständig vergessen, darum jetzt: Wer sich für die Leipziger Schule interessiert, sollte unbedingt die Gelegenheit wahrnehmen und bis 30. März 2008 nach Brühl ins Max-Ernst-Museum pilgern. Dort begegnet man neuen Arbeiten von Neo Rauch, dem neuen Helden der deutschen Malerei. Die Ausstellung “para” war immerhin schon im New Yorker Metropolitan Museum zu sehen, für die sie auch konzipiert wurde.
Für mich ist Rauch einer der besten Maler der Neuen Leipziger Schule und auch einen der vielversprechendesten, wenn er sich denn weiterentwickelt. Und er ist einer der “ostdeutschesten” Maler, einer der seine Wurzeln nicht verleugnet und doch sich vom alten so weit löst, dass er Neues (er-)schafft.
Gerade seine neuen Arbeiten sind vielversprechend, weil sie im interessanten Kontrast zu den früheren Arbeiten stehen. Rauch ist ein Geschichtenerzähler, seine eigentümlichen Bilder sind zusammengesetzt aus Bildfetzen, Erinnerungen an die Kindheit im Sozialismus gemischt mit den Plakativem des sozialistischen Realismus und massenmedialen Fragmenten, aber auch Elementen der Pop-Art und des Comic.
Neu sind die historischen Figuren, die Rauch in merkwürdig-zweideutige Landschaften und Zusammenhänge setzt. Plötzlich scheint Rauch einen Paradigmenwechsel vollzogen zuhaben. Nicht mehr die Figuren, die dem Werbeplakat eines VEB entsprungen zu sein scheinen, sind dominieren, sondern Personen des 19. Jahrhunderts, in dandyhafter Kleidung mit einem Hauch von Spitzweg.
Spannend sind seine Bilder vor allem deshalb, weil man so schön in ihnen versinken kann. Auf den ersten Blick ist alles klar, doch bei näherem Hinsehen werden die Szenen des Bildes immer fremder und befremdlicher, obwohl wir alle die Szenen erkennen und erklären können – fast scheinen sie wie wilde Träume. Dabei wirken sie aber nicht surreal, vielleicht sind die Bilder deshlab so rätselhaft. Besonders anziehend finde ich auch, dass man, wenn man es denn nicht wüsste, kaum sagen könnte, wann genau Rauch seine Bilder gemalt hat. Im letzten Jahrhundert? In diesem? Vor dem Fall des eisernen Vorhangs oder danach?
Neo Rauchs Bilder sind voller PARAdoxer Geschichten aus einer PARAllelwelt – der Ausstellungstitel “para” ist also klug gewählt. Mehr auf den Seiten des Max-Ernst-Museums.
11. Mai 2007
Es gibt schlechte Ausstellungen, es gibt gute Ausstellungen und ausgezeichnete und dann gibt es solche, die einen baff machen. In der Galerie Eigen + Art in Leipzig läuft bis 01. September 2007 so eine. Die Galerie gilt als wichtigster Vertreter der Künstler der Neuen Leiziger Schule, Galerist Gerd Harry Lybke als “Entdecker” und Förderer der jungen Künstler. Zu diesen zählen auch David Schnell.
Mir war Schnell zwar durchaus ein Begriff, bewusst wahrgenommen habe ich ihn aber bisher kaum. Vielleicht lag es daran, dass Neo Rauch alle überstrahlt oder mir seine Bilder bisher ein bisschen zu oberflächlich waren. Vielleicht hört es sich auf den ersten Blick auch einfach seltsam an, wenn man liest, dass Schnell Landschaften malt und dann noch überwiegend in Zentralperspektive. Dann aber steht man vor den Bildern und ist überwältigt.
David Schnell, Pink, 2007, Cortesy Galerie Eigen + Art
Seine Bilder erinnern an digitale Landschaften, am Computer erstellt und dann ausgedruckt. Und trotzdem scheinen sie zeitgleich so leicht und lebendig, dass man sich einen Spaziergang durch die Bilder wünscht. Seine Gemälde sind so etwas wie die Neuentdeckung des Raumes, die Perspektive erzeugt im Bild einen ungeheuren Sog, der alles anzuziehen scheint. Schnell setzt sich intensiv mit seiner Umgebung auseinander, den urbanen als auch ländlichen Räumen.
Waren seine früheren Arbeiten sehr gegenständlich, sind die neuen Arbeiten abstrakter geworden, ohne dass der Bildgegenstand verloren ging. Das hat sie wesentlich interessanter gemacht, vor allem weil es dem Betrachter mehr Raum lässt und Perspektive und Sogwirkung verstärkt.
Wahnsinnig spannend – unbedingt anschauen!
22. Juni 2006
Erstmals wird in Österreich Kunst aus Leipzig präsentiert. Die Sammlung des österreichischen Kunstsammlers Karlheinz Essl umfasst inzwischen viele Werke aus der “Neuen Leipziger Schule”. Mit der Ausstellung “Made in Leipzig” zeigt der Kunstsammler jetzt in seinem Privatmuseum das zwei Generationen umfassende Kunstphänomen mit rund 100 Exponaten. Neben Neo Rauch sind auch David Schnell, Tim Eitel Tilo Baumgärtel, Matthias Weischer und viele weitere Künstler vertreten. “Zu Wort” kommen aber auch die Künstler der ersten Generation wie Sighard Gille und Arno Rink (“Leipziger Schule”), sowie Fotografen wie Ricarda Roggan und Matthias Hoch.
Meh runter: www.sammlung-essl.at