Da liest man überall von “Ansturm auf das Neue Museum” (Art Magazin), “10000 stehen Schlange” (Berliner Morgenpost) oder “Tausende wollen das Neue Museum sehen” (Welt online). Schön – aber liebe Leute – das Museum ist noch leer! Eigentlich sollte man sich ja freuen, aber irgendwie ist das paradox. Da gibt es so viele schöne (kleine) Ausstellungen, mit Liebe zum Detail und wirklicher Augenschmaus mit Lerneffekt und was machen die Leute? Sie rennen in einen leeren Bau, den sie genauso so später sehen könnten, wenn sie sich die Exponate anschauen. Hoffentlich bleibt dem Museum der Besucheransturm erhalten.
Ansturm auf das leere Haus
7. März 2009 | Kein Kommentar
Altes Neues Museum Berlin
6. März 2009 | 2 Kommentare
Viel wird über die architektonische Neugestaltung des Neuen Museums Berlin gestritten. Lange war das Museum nicht mehr als eine romantische Ruine, die dem Verfall preis gegeben wurde. Doch nach der Wende wurde dem Haus neues Leben eingehaucht. Der britische Architekt David Chipperfield sollte das Haus wiederauferstehen lassen, damit hier das Museum für Vor- und Frühgeschichte und die Ägyptische Sammlung mit der Nofretete einziehen könnten. Gestern wurde das Neue Museum der Öffentlichkeit übergeben. In den nächsten Tagen dürften die Besucher durch das leere Haus flanieren, bevor es dann am Mittwoch den Kustoden übergeben, bis Oktober bestückt und dann eröffnet wird.
Was soll man nun über das alte Neue Museum oder das neue Neue Museum sagen? Viel wurde im Vorfeld gemeckert. Zu minimal, zu karg, zu viele offene Wunden, zu zeitgenössisch zu wenig altes wurde restauriert. Ich kann mich all dem nur begrenzt anschliessen. Chipperfield hat es geschafft, die alte Raumideen von Stüler zu erhalten, hat die Wunden, die dem Gebäude im zweiten Weltkrieg zugefügt wurden, nicht überkleistert und sie in das Ensemble eingefügt und mit modernen Mitteln neue architektonische Zeichen gesetzt, die sich nahtlos in das Gebäude einfügen, ohne allzu sehr aufzufallen. So hat es Chipperfield geschafft, die kühle preußische Architektur mit der einst reichen Bemalung und den Fresken zu erhalten ohne in ein historisches Pathos zu verfallen. Seine architektonischen Neuerungen nehmen die klaren, strengen Linien des Klassizismus auf ohne sie langweilig zu rezitieren.
Detail Treppenhalle
© Stiftung Preußischer Kulturbesitz/DavidChipperfield Architects
Fotografin: Ute Zscharnt
Alter und neuer Glanzpunkt ist das Treppenhaus, hoch wie eine Kathedrale mit offenem Dachstuhl, links und rechts Fragmente von Fresken und dann im Zentrum ein mächtiger Treppenaufgang. Chipperfield hat die Wunden an den Wänden sichtbar gelassen, die Ziegel nicht verputzt. Er hat die erhaltenen Fragmente der Fresken nicht vervollständigt, was ihm Unverständnis und gelegentlich den Vorwurf der Verstümmelung einbrachte. Die Treppe hat er aus Sichtbeton gegossen. Die ionischen Säulen des Erechtheions blieben erhalten, die Kopien der Statuen haben großen Fenstern Platz gemacht.
Ähnliches versuchten Chipperfield und sein Restauratorenteam auch in den Ausstellungssälen. Es wurde behutsam restauriert, wo nötig mit zeitgenössischer Architektur zurückhaltend ergänzt, aber nicht zugekleistert. Das ist gelungen und es kommt schon ein wenig freudige Erwartung auf, wenn man daran denkt, dass im großen Kuppelsaal bald die Nofretete stehen wird. Kein Raum ist wie der andere, nie wird es langweilig, immer gibt es schon am Bau etwas zu entdecken. Chipperfield hat zusätzlich ein paar spektkuläre Räume geschaffen wie etwa die Plattform, ein auf Säulen stehender nach oben offener Saal, dessen Wände aus matt schimmerndem Glas erbaut wurden. Überhaupt hat Chipperfield großen Wert auf die verwendeten Materialien gelegt. Umso erstaunlicher ist es, dass das Projekt statt der veranschlagten 230 Millionen Euro letztlich nur 200 Millionen Euro kostete. Man darf gespannt sein, wie die Exponate in den Räumen wirken werden.






