Archipenko-Retrospektive in Saarbrücken

10. Dezember 2008 | Kein Kommentar

Das Saarbrücker Saarlandmuseum gehört nicht eben zur ersten Liga deutscher Museen, dafür fehlt es dem kleinen Bundesland einfach an Geld und dem Museum an Räumlichkeiten. Wenigstens das zweite Problem soll sich demnächst mit einem Anbau lösen. Leider sind auch nicht immer alle Ausstellungen wirklich überragend, aber manchmal lohnt sich der Weg ins Saarland mit seiner lebendigen Kulturszene eben doch.

Alexander Archipenko, Frau, ihr Haar kämmend, 1915
Saarlandmuseum, Stiftung Saarländischer Kulturbesitz
© VG Bild-Kunst, Bonn 2008

Mit dem Nachlass des Bildhauers Alexander Archipenko (1887-1964) besitzt das Saarlandmuseum eine europaweit einzigartige Sammlung an Originalgipsen, Bronzen und Zeichnungen von einem der wichtigsten Wegbereiter der Skulptur des 20. Jahrhunderts. Auf der Grundlage dieser Eigenbestände richtet Museum dem Schaffen Archipenkos die umfangreichste Retrospektive der letzten Jahrzehnte aus.

Im Jahre 1909 hatte der junge Ukrainer sich in Paris niedergelassen. Wie andere fortschrittliche Bildhauer seiner Generation interessierte sich Archipenko intensiv für die Skulptur der außereuropäischen Kulturkreise. Im Louvre und in den völkerkundlichen Sammlungen der französischen Hauptstadt standen ihm die Werke der altgriechischen, afrikanischen, orientalischen oder fernöstlichen Hochkulturen in reicher Fülle vor Augen.

Archipenkos Schaffen spiegelt dabei auch die Berührung mit den Formexperimenten der Kubisten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Paris entwickelt wurden. In seinen frühen Werken zunächst von wuchtigen, blockhaften Proportionen der dargestellten Körper ausgehend, gelangte er ab 1912 zu einer Verschlankung und expressiven Längung des Gliederbaus. Mit der Erfindung kunstvoller Bewegungsmotive verband der Bildhauer zeitlebens ein vielfältiges Spiel mit den Gesetzmäßigkeiten des Statischen überhaupt. Radikal durchsetzte Archipenko die plastische Form mit bewusst gestalteten Hohlformen und Durchbrüchen, die eine neue Art des Dialogs zwischen Masse
und Raum eröffneten.

Die Saarbrücker Werke, die mehrheitlich aufgrund einer großzügigen testamentarischen Verfügung des Künstlers seit 1968 den Sammlungen des Saarlandmuseums angehören, werden durch internationale Leihgaben ergänzt. Mit einem Umfang von fast 140 Arbeiten aus mehr als fünf Jahrzehnten zeichnet die Ausstellung die prägnantesten künstlerischen Entwicklungslinien Archipenkos nach und dokumentiert sein Pendeln zwischen den Kontinenten, zwischen Expressivität und zurückgenommen Formen, zwischen Abstraktion und Figürlichkeit, formalistischer Strenge der Antike und avantgardistischer Verspieltheit.

Die Werke wurden chronologisch geordnet und wo es möglich war, zu Motivgruppen organisiert und durch Zeichnungen sinnvoll ergänzt. Die Ausstellung macht wirklich Spaß, vor den dunkelblauen Stellwänden und der tollen Beleuchtung scheinen die Skulpturen fast zu leuchten. Die Präsentation ist wirklich gelungen und Anschauen lohnt sich.

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Malerei in der dritten Dimension

1. August 2008 | Kein Kommentar

Das Museum Sammlung Frieder Burda zeigt bis 26. Oktober in Baden-Baden die Ausstellung “Die Skulpturen der Maler. Malerei und Skulptur im Dialog”. Die Ausstellung beleuchtet den Umgang der Maler mit der Skulptur und den Stellenwert, den sie ihr einräumten.

Plakat zur Ausstellung

Eigentlich ist eine solche Ausstellung ja keine Neuigkeit mehr. Grafik, Zeichnung und Bildhauerei waren auch bei Picasso, Matisse und Kirchner beliebte Medien, die gerne und oft genutzt wurden. Und doch ist die Ausstellung sensationell und das liegt vor allem an zwei Umständen.

Zum Einen ist es der Dialog, den die Werke miteinander eingehen. Da steht Edgar Degas’ “Probe im Foyer de la danse” der wunderbar filigranen Skulptur “Kleine vierzehnjährige Tänzerin” gegenüber. Neben Picassos Ölgemälde “Jacqueline” steht der überdimensionierte bemalte Blechkopf der Angebeteten. Überhaupt sind Skulpturen und Bilder von Picasso überragend, vielleicht, weil Picasso nie einem Medium dem anderen den Vorzug gab. Insofern ist es vielleicht auch falsch, Picasso als Maler hinzustellen, der auch bildhauerisch tätig war. Auch Matisse wundervolle Gemälde werden den ebenso schönen Skulpturen gegenübergestellt und zeigen, wie wichtig auch Matisse das Arbeiten im Raum war. Ähnliches gilt für Kirchner, dessen Skulpturen den Bildern entsprungen zu sein scheinen, so ähnlich sind sie sich in ihren äußeren Formen.

Spannend ist die Ausstellung aber auch da, wo sie Künstler, die in der öffentlichen Wahrnehmung als Maler gesehen werden, als Bildhauer zeigt. Da sind zum Beispiel die skulpturalen Arbeiten von Joan Míro, der seine ganz eigene malerische Formensprache auf die Skulptur überträgt. Auch Dubuffets “Tour ballerine” von 1964 sieht ein wenig so aus, als ob sie einem Dubuffet-Bild entsprungen ist. Auf der unregelmäßigen udn zerklüfteten oberfläche eiens Monolithen prangen die üblichen Schraffuren in Schwarz, Rot und Blau, unterbrochen von Weiß. Und auch der Marc Chagall ist mit Skulpturen vertreten. Auch seine Skulpturen haben große Ähnlichkeit mit seiner Bildsprache.

140 Werke hat Kurator Jean-Louis Prat aus 40 Museen und Sammlungen zusammengetragen. Neben den bereits genannten sind auch Georg Baselitz, Max Beckmann, Georges Braque, Honor&eacute, Daumier, Edgar Degas, Max Ernst, Paul Gauguin, Alberto Giacometti, Yves Klein, Willem de Kooning, Markus Lüpertz, Amedeo Modigliani, A.R. Penck, Antoni Tàpies und Cy Twombly vertreten.

Eine tolle Ausstellung, die manche Überraschung birgt. Unbedingt ansehen! Mehr unter: Museum Sammlung Frieder Burda. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Hatje Cantz Verlag erschienen.

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