Kunst für ein warmes Plätzchen

25. Februar 2010 | Kein Kommentar

Stuttgart hat eine neue Kunstattraktion. Der südkoreanische Künstler Byung Chul Kim hat im Rahmen des Stuttgarter Stadtteilprojekts Diskret_Ost im Juli 2009 das Performance-Hotel eröffnet. Die Besonderheit: Gäste dürfen kostenlos übernachten, wenn sie eine Performance darbieten. Was die Gäste machen möchten, bleibt ihnen selbst überlassen. Malerei, Skulptur, Tanzperformance, Gesang, Theater oder Lesung – alles ist erlaubt. Etliche Künstler und Künstlerinnen haben sich schon am, im und um das Haus ausgetobt. Auch Kochen, Grillen oder die Vorbereitung des Frühstücks gehen bei dem Hotelbesitzer als Performance durch – wenn es denn gut gemacht ist.

Außenansicht des Hotels
Foto: Performance Hotel

Wer nicht künstlerisch tätig werden will, darf natürlich auch bezahlen. Die Preise halten sich im Rahmen. Wer Isomatte und Schlafsack mitbringt, zahlt lediglich drei Euro, auf einem Feldbett kann man für zehn Euro nächtigen und für 13 Euro schläft man auf einer richtigen Matratze. Natürlich sieht es Kim aber am liebsten, wenn die Hotelgäste mit künstlerischen Darbietungen zahlen.

Das Hotel liegt im östlichen Teil Stuttgarts in der Gablerstraße und ist einem ehemaligen Winzerhaus aus dem 19. Jahrhundert untergebracht. Eine Villa Kunterbunt, zwei Stockwerke hoch, die Fassade tapeziert bis unters Dach mit Kunst und Plakaten. Vor dem Haus ein Pappschild im Barockrahmen mit den Preisen. Besonderen Fünf-Sterne-Luxus bietet das Bad in Altrosa mit dem Fernseher. Außerdem gibt es eine WG-Küche mit Esstisch, zwei Schlafräume und zwei Performance-Räume. Den Wellnessbereich finden die Gäste im Garten hinter dem Haus. Hier steht eine Badewanne unter freiem (Sternen-)Himmel.

Auch wenn er nichts einnimmt, Angst vor dem Monatsende muss “Hoteldirektor” Kim nicht haben. Sein Hotel ist ein Projekt der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, die für alle Kosten aufkommt. Die Stadt hatte den Studenten das Haus im vergangenen Juli für zunächst ein Jahr übergeben. Diese renovierten das Haus und statteten es mit Möbeln aus. Eigentlich sollten hier Ateliers entstehen, doch dann kam Kim auf die Idee mit dem Performance-Hotel. Er selbst musste hier ein paar Nächte verbringen, weil er keine Wohnung hatte und dachte sich, dass hier eigentlich jeder Künstler umsonst übernachten sollte. Nun wird jeder Gast zum Künstler, wenn er denn möchte.

Eine wirklich schöne Idee als Protest gegen die Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes und so herrlich kreativ. Mehr davon!

Weitere Informationen unter: performancehotel.wordpress.com und distriktost.wordpress.com.

Sabine Wild in Stuttgart

12. Dezember 2008 | Kein Kommentar

Sabine Wild, Stuttgarter Landtag, 2008

Sabine Wild, Stuttgarter Landtag, 2008

Bis zum 21. Februar 2009 ist in der Stuttgarter Galerie Dengler und Dengler die Ausstellung “Sightseeing” mit neuen und älteren Arbeiten der Fotografin Sabine Wild zu sehen. Ich hatte ja schon zwei Mal (hier und hier) etwas zu Sabine Wild geschrieben, die Galerie sagt es aber auch ganz schön:

Die Verunklärung der Details in scheinbar pastoser Ölfarbe, läßt das einzelne Bauwerk in der Wirkung zurücktreten, zugunsten der städtebaulichen Situation oder des einzelnen Baukörpers im Stadtraum. Die nüchterne Kälte einer Glasfassade wird durch Malerei emotional überlagert. Gleichzeitig verweigert die digitale Malerei die persönliche Geste, das was Harold Rosenberg die Spur des Künstlers genannt hatte. So stehen die zumeist menschenleeren Stadtbilder von Sabine Wild im Zentrum mehrerer Spannungsfelder, zwischen präziser Photographie und gestischer Malerei, zwischen technischer Perfektion ohne physische Berührung des Subjekts und der vermeintlichen Spuren des Subjektiven, zwischen Vernunft und Gefühl.

Ich bin auch immer wieder versucht, die Bilder anzutatschen, um zu schauen, ob sie nicht doch gemalt wurden (nein, sind sie natürlich nicht). Neben Arbeiten aus New York und Berlin sind auch Arbeiten von Stuttgarter Bauwerken zu sehen. Ich persönlich kann über die tollen Arbeiten von Wild und ihre Technik immer wieder staunen. Unbedingt anschauen!

Sehenswerte Fotokunst in Stuttgart

28. November 2006 | Kein Kommentar

Der Volkskalligraph, fotoe.com, Staatsgalerie Stuttgart

Liu Jianming, Februar 1989 Yuanjiang, Yunnan
“Ein alter Mann, der sich selbst Volks-Kalligraph nennt,
hinterlässt überall seine Handschrift”
© fotoe.com, Staatsgalerie Stuttgart

Die Staatsgalerie Stuttgart präsentiert derzeit die Ausstellung “Humanism in China”. Gezeigt werden fotografische Aufnahmen, die in den letzten fünf Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Die Ausstellung ist in vier Themenbereiche gegliedert: Existenz, Beziehung, Begehren und Zeit.

Die Bilder schildern den chinesischen Alltag vor dem Hintergrund der rasanten gesellschaftlicher Modernisierung. Hinter dem Glanz des wirtschaftlichen Booms dokumentieren die Fotografen die zunächst schleichende, dann aber rasant fortschreitende Veränderung nach den für die weitere Entwicklung des Landes einschneidenden Wendepunkten: der Kulturrevolution von 1969 und dem Tod Maos im Jahr 1976. Die Fotos stammen ausschließlich von chinesischen Fotografen. Interessant sind die Bilder vor allem, weil sie nichts verstellen, nichts auslassen und nicht den Zweck haben, inszenieren zu wollen. So ist die Ausstellung zugleich Zeitdokument und unverstellter Einblick in die Lebensverhältnisse in das für viele Europäer noch sehr fremde Land.

Mehr: Staatsgalerie Stuttgart.

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