Der mit 30.000 Euro dotierte Turner Prize geht in diesem Jahr an den Video-Künstler Mark Leckey (44). Für die Jury waren Leckeys Witz und Originalität entscheidend mit der er “eine Vielzahl von Formen” gefunden habe, “seine Faszination für die visuelle Kultur auszudrücken”. Dabei hat er insbesondere an Comics einen Narren gefressen. Leckey hatte die 1970 in Bangladesch geborene Runa Islam ausgestochen, außerdem Goshka Macuga (geb. 1967 in Warschau) und die 1966 in Belfast geborene Cathy Wilkes.
Ehrlich gesagt, hätte ich für Goshka Macuga votiert, allerdings muss ich leider auch sagen, dass keine bzw. keiner der vier Künstlerinnen und Künstler wirklich restlos überzeugen kann.
Hier zwei Videos, in denen der Kunstkritiker Nick Hackworth die vier Künstler vorstellt:
Die deutsche Malerin Tomma Abts (*1964) hat den renommierten Turner-Prize gewonnen. Die in London lebende Malerin durfte gestern Abend den Preis aus den Händen von Yoko Ono entgegen nehmen. Abts stach mit ihren immer exakt 48 x 38 Zentimeter großen, abstrakten Werken den Videokünstler Phil Collins, die Bildhauerin Rebecca Warren und den Maler Marc Titcher aus. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Pfund dotiert. Der Turner-Preis wird seit 1984 verliehen und geht jährlich an einen britischen Künstler oder eine Künstlerin unter 50 Jahren für “eine hervorragende Ausstellung oder andere herausragende Präsentation seines Werkes”.
Spannend ist Abts’ Werk vor allem da, wo Licht- und Schattenspiel entstehen und unter der Oberfläche Strukturen wahrnehmbar werden. Ihre Bilder tragen Namen wie Teete, Taade Diddo oder Jürke. Abts gibt den Bildern alte friesische Namen, wohl ein Zeichen der Verbundenheit mit der Heimat, vielleich taber auchnur, um möglichst neutrale Namen zu wählen, die weit entfernt vom Bildgegenstand sind.
Ich persönlich fand Abts Bilder auf den ersten und den zweiten Blick langweilig und enttäuschend, auf den dritten und vierten Blick alleridngs entwickelt sich dann doch ein gewisses “Wohlwollen”. Das liegt wohl daran, dass Abts’ Werk nichts Spektakuläres enthält und ein wenig an die Frühzeit der Moderne, namentlich den Konstuktivismus, erinnern. Abts selbst sagt, sie habe keine Idee, wenn sie ein Bild beginnt. Intuitiv beginnt sie zu malen, und arbeitet dann immer planvoller auf das Endergebnis hin.
Die Bilder strahlen Ruhe aus, was wohl an den hauptsächlich gedämpften Farben liegt. Geometrische Formen herrschen vor. Licht und Schatten bringen in die Bilder einen gewissen Rhythmus. Oftmals wirken die Bilder wie aus Papier gefaltete, bunte Collagen. Doch die Knicke und Falzen entpuppen sich bei näherem Hinsehen als Rand einer Farbschicht. So entstehen Licht und Schatten nicht nur aus Hell-Dunkel-Kontrasten, sondern auch aus reliefartigen Strukturen. Und aus den Farbrändern scheint manchmal Licht zu strahlen.