<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>360° &#187; Zeit</title>
	<atom:link href="http://www.360-grad-blog.de/tag/zeit/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.360-grad-blog.de</link>
	<description>DER KUNSTBLOG</description>
	<lastBuildDate>Thu, 05 Jan 2012 09:44:01 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Schafft die Museen nicht ab!</title>
		<link>http://www.360-grad-blog.de/2008/01/08/schafft-die-museen-nicht-ab/</link>
		<comments>http://www.360-grad-blog.de/2008/01/08/schafft-die-museen-nicht-ab/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 08 Jan 2008 15:55:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bülent Gündüz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Blom]]></category>
		<category><![CDATA[Museen und Galerien]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.360-grad-blog.de/2008/01/08/schafft-die-museen-nicht-ab/</guid>
		<description><![CDATA[Historiker haben es nicht leicht. Den ganzen Tag sitzen sie beim Quellenstudium im kleinen K&#228;mmerlein und arbeiten still und unbemerkt vor sich hin. Aber wehe wenn sie losgelassen! Da er kl&#228;rt uns doch der Historiker und Schriftsteller Philipp Blom in der Zeit, dass wir Museen eigentlich nicht br&#228;uchten und wir sie abschaffen sollten und das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Historiker haben es nicht leicht. Den ganzen Tag sitzen sie beim Quellenstudium im kleinen K&#228;mmerlein und arbeiten still und unbemerkt vor sich hin. Aber wehe wenn sie losgelassen! Da er kl&#228;rt uns doch der Historiker und Schriftsteller <a href="http://www.zeit.de/2008/02/Schafft-die-Museen-ab" target="_blank">Philipp Blom in der Zeit</a>, dass wir Museen eigentlich nicht br&#228;uchten und wir sie abschaffen sollten und das alles, weil die eh nur Altes verehren, statt Neues zu zeigen. Uns fehle einfach der Mut zur Verg&#228;nglichkeit, viel zu viel Ballast w&#252;rden wir mit uns herumschleppen.</p>
<p>Seine Argumentation folgt der These, dass wir in unserem Kultur Altes nur verehren, weil es alt ist. Blom versteigt sich zu dieser These, weil er bei einem Besuch in Fontainbleau bemerkt, dass die Vorh&#228;nge in Napoleons Appartement verschlissen und ausgeblichen sind. Herr Blom, wir schauen uns die verschlissenen Vorh&#228;nge von Napoleon an, weil sie uns den Menschen und den Herrscher n&#228;her bringen. Sie vergessen, dass nicht nur Historiker durch die Hallen von Fontainbleau wandeln, sondern auch Normalsterbliche, die Geschichtsb&#252;cher normalerweise seit der Schulzeit nicht mehr in die Hand genommen haben. F&#252;r diese Menschen ist Fontainbleau eine kleine Begegnung mit der Geschichte und eine anschauliche noch dazu.</p>
<p>Und verehren wir Tintoretto, Tizian oder Rembrandt weil sie „alte“ Meister sind? Nicht wirklich, jedenfalls nicht diejenigen unter uns, die noch zum Sehen f&#228;hig sind und dem Reiz immenser Farb- und Lichtspiele auf der Leinwand erliegen k&#246;nnen. Und Picasso? D&#252;rfen wir den noch verehren oder sollten wir den auch als Ballast &#252;ber Bord werfen?</p>
<p><span id="more-316"></span>Blom erinnert daran, dass die Museen in der Renaissance voll von Neuem waren, dass ist aber auch nicht wirklich schwer, wenn man bedenkt, dass man damals noch davon ausging, dass die Erde eine Scheibe sei. Was damals exotisches Getier ist, k&#246;nnen sie heut ein jedem kleinen Zoo sehen. Dazu braucht es sicher kein Museum. Und um afrikanische Masken zu sehen, geht man heute nicht mehr in ein ethnologisches Museum, sondern schaut beim n&#228;chsten Strandurlaub in Kenia mal eben im dortigen Volksmuseum vorbei.</p>
<p>Blom vergisst auch, dass es auch damals schon Ausstellungen gab, ganze S&#228;le und Galerien wurden mit antiken Statuen vollgestopft, um sich an den alten Vorbildern zu erg&#246;tzen.</p>
<p>Und es wird nicht besser. Blom glaubt, wir h&#228;tten den Glauben an Kultur und Geist verloren? Das alles schreibt er Auschwitz und den Gulags zu, dabei halfen gerade der Glaube an Geist und Kultur, diese Zeit zu &#252;berwinden. Und &#252;berhaupt, sollten man nicht gerade jene dunklen Zeiten der Menschheit akribisch konservieren, um daran zu erinnern, wohin Gesellschaften kommen, wenn Geist und Kultur verloren gehen? Wenn Kultur und Geist im letzten Jahrhundert verloren gingen, dann ganz sicher im Unterschichtenfernsehen, irgendwo zwischen Talkshow und Daily Soap. Und ganz sicher w&#252;rde es wenig hilfreich sein, das Museale einzud&#228;mmen.</p>
<p>Herr Blom behauptet, der Impuls zum Sammeln sei uns verloren gegangen, abgel&#246;st durch das Kuratorische. Jedes Sammeln braucht auch eine Kuratierung, denn was w&#228;re eine Sammlung ohne das Ordnen, Katalogisieren, Pr&#228;sentieren und Erkl&#228;ren? Es w&#228;re nichts anderes als das sinnlose Anh&#228;ufen von G&#252;tern. Wozu? Warum sollte man etwas Sammeln ohne es der &#214;ffentlichkeit zug&#228;nglich zu machen und es den Menschen nicht nur zu zeigen, sondern es auch in gr&#246;&#223;ere Zusammenh&#228;nge zu setzen und zu erkl&#228;ren?</p>
<p>Das wir immer noch begeistert sammeln, das zeigt uns der &#252;berhitzte Kunstmarkt, der mit der Produktion der begehrten Objekte gar nicht mehr nachkommt. Junge Sammler, die meisten Idealisten und nicht etwa Investoren, gieren nach junger Kunst.</p>
<p>Blom meint, dass andere Kulturen das Alte nicht so fanatisch verehren und f&#252;hrt als Beispiel die historischen Tempel in Kyoto an, die regelm&#228;&#223;ig abgerissen und neu erbaut wurden, obwohl deren Fundamente auf das 12. Jahrhundert zur&#252;ckgehen. Er vergisst, dass auch unsere Kirchen oft auf romanischen Grundmauern stehen und immer wieder abgerissen, umgebaut und erg&#228;nzt wurden. Und es ist auch nicht so einfach, den K&#246;lner Dom mal eben abzureissen und neu zu bauen. Dass man gelegentlich h&#228;ssliche Um- und Anbauten sp&#228;terer Jahrhunderte r&#252;ckg&#228;ngig macht, kann kein Fehler sein. Hier geht es nicht um eine schn&#246;de Verehrung des Alten, sondern um die Wiederherstellung des einstigen Glanzes. man schaue sich nur mal den Vatikan und seine Umbauten und Erweiterungen aus vielen Jahrhunderten an.</p>
<p>„Wir sind die erste Kultur die Altes nur verehrt, weil es alt ist.“ Tun wir das? Verehren wir Napoleons Vorhangstoff weil er alt ist? Nein, wir schauen ihn uns an, nicht weil er alt ist, sondern weil er Napoleons Fenster verdunkelte. Und wir verehren auch Tintoretto nicht, weil die Leinwand aus dem 16. Jahrhundert stammt, sondern weil seine Werke einzigartig sind. Wir staunen nicht &#252;ber Goya, weil die Bilder alt sind, sondern weil nur wenige bis heute die Schrecken des Krieges so eindrucksvoll darstellten und wir bewundern Turner, weil er die Abstraktion vorweg nahm und wir verehren Picasso wegen seiner grenzenlosen Kreativit&#228;t im Umgang mit dem Thema das uns alle seit der Steinzeit besch&#228;ftigt: Eros und Weiblichkeit.</p>
<p>Zu behaupten, unsere Kultur sei vor allem r&#252;ckw&#228;rts gewandt, halte ich f&#252;r unsinnig. Unsere Kultur ist nicht weniger Gegenwartskultur, nur weil sie das Alte nicht auf den M&#252;llhaufen der Geschichte wirft. Nicht umsonst entstehen &#252;berall Museen f&#252;r zeitgen&#246;ssische Kunst, wachsen Kunstvereine und Kunsthallen aus dem Boden. Und wir h&#246;ren auch nicht &#252;berwiegend klassische Musik, sondern wohl eher Zeitgen&#246;ssisches wie Pop, Rock und Jazz.</p>
<p>Blom f&#252;hrt an, dass das kulturelle Gro&#223;ereignis des vorrevolution&#228;ren Frankreich f&#252;r Kunstliebhaber der Salon war, eine Art Kunstausstellung f&#252;r zeitgen&#246;ssische Malerei. Er vergisst, dass die Gro&#223;ereignisse des Jahres 2007 die documenta 12, die Biennale in Venedig und die gro&#223;en Kunstmessen waren. Wo also soll das Problem sein? Dass wir neben neuem auch das Alte pr&#228;sentieren? Ist das wirklich so abscheulich? Kann man die K&#252;nstler des 20. und 21. Jahrhunderts verstehen, wenn man nicht ihre Vorg&#228;nger sieht, auf die sie sich oftmals beziehen? M&#252;ssen wir tats&#228;chlich Britney Spears ertragen, nur weil Mozart vor 200 Jahren starb? Und ist Schwanensee nicht mehr sch&#246;n und anr&#252;hrend, nur weil es nicht von Dieter Bohlen stammt?</p>
<p>Dann kippt Bloms Argumentation ins Gegenteil. Er meint, wir seien eine Kultur des „ewigen Jungseins, der dauernden Neuerungen, die dann wieder in der Versenkung verschwinden?“ Auch das scheint ihm nicht zu passen, obwohl es ja seinen Forderungen entspricht. Er vergisst aber auch hier, dass es viel Hintergrundrauschen gibt, bei dem sich das wirklich Gute dennoch durchsetzen wird und dies auch auf Dauer Bestand haben wird. Aber wozu sollte es eigentlich? Ins Museum sollte es ja wohl nicht, jedenfalls nicht nach Ansicht von Blom. Wohin damit eigentlich und warum &#252;berhaupt noch etwas von Bestand schaffen, wo es doch sowieso zum Untergang verdammt ist, um neuem Platz zu machen.</p>
<p>Nat&#252;rlich hat Blom recht, wenn er die „antiseptischen“ und konsumfreundlichen Supermegaausstellungsshows bem&#228;ngelt, die durch Multimedia aufgepeppt werden und uns Kultur und Geschichte in leicht verdaulichen H&#228;ppchen servieren. Ausstellungen bei denen es nicht mehr um kunsthistorische Zusammenh&#228;nge geht, sondern um die reine Pr&#228;sentation wie die MoMA-Schau. Das ist jedoch nicht die Schuld der Museen, sondern die unserer Gesellschaft, die es nicht mehr anders gew&#246;hnt ist: die Tagesschau gibt es in 100 Sekunden, Zeitungen wie die Welt kompakt in kleinen Nachrichtenportionen.</p>
<p>Dann wird munter auf den Louvre eingehackt, der es doch tats&#228;chlich wagt und seine Werke erl&#228;utert, die der Besucher auf dem Weg zur Mona Lisa passieren muss. Nicht jeder (er-)kennt die mythologischen Szenen, die auf den Bildern dargestellt sind. Bloms Vorschlag, die holde Sch&#246;ne nach Disneyland zu verfrachten, um den Touristen den umst&#228;ndlichen Weg zu ersparen, halte ich f&#252;r komplett &#252;berheblich und unsinnig. Denn wenn von 100 Touristen, die nur wegen der Mona Lisa ins Louvre kommen einer oder zwei bemerken, dass unterwegs auch ein paar andere wundersch&#246;ne Werke h&#228;ngen, hat es sich schon gelohnt. Sollen die Museen nun abgeschafft werden, nur weil sich viele Menschen nicht so sehr f&#252;r Kunst interessieren oder es nicht mehr schaffen, einer Ausstellungen drei Stunden intensiv zu folgen? W&#228;re das nicht genau der falsche Weg?</p>
<p>Gleich danach bekennt der Historiker Blom, dass er eigentlich ebenfalls ein Altertumsfetischist ist, einer, der den Duft alter B&#252;cher liebt und sich lieber jahrhundertealte Meisterwerke anschaut als Zeitgen&#246;ssisches. Was soll man ihm raten? Lieber Herr Blom, es gibt durchaus sehenswertes Zeitgen&#246;ssisches, das wirft ihnen allerdings meist kein Kurator in H&#228;ppchen vor, das m&#252;ssen sie sich selbst erarbeiten, dazu m&#252;ssen sie in Kunsthallen, Galerien und zu Kunstmessen fahren und sich selbst umschauen. Erkl&#228;rungen und Aufbereitungen finden sie dort kaum, aber die wollen Sie ja auch nicht. Es gibt eine Avantgarde und sie ist lebendig.</p>
<p>Sie w&#252;rden gerne in die gute alte Zeit zur&#252;ck, in denen Museen Hort revolution&#228;rer Umw&#228;lzungen waren? Das d&#252;rfte nicht funktionieren unsere Welt und die Gesellschaft in der wir leben, ist komplexer und vielschichtiger geworden und l&#228;sst sich nicht mehr so leicht aus den Angeln heben.</p>
<p>Hat Herr Blom im ganzen Artikel gejammert, dass wir zu sehr am Alten und unseren lieb gewordenen Verbindungen zur Vergangenheit festhalten, behauptet er gegen Ende des Artikels, dass wir die Verbindungen zur Vergangenheit gekappt h&#228;tten. Ohne historische Kontinuit&#228;t bliebe nur  eine „seltsame Br&#252;he aus konzeptueller Beliebigkeit und archivarischer Nekrophilie.“ Ist das so? Was will er denn nun? Eine Verbindung zur Vergangenheit und Museen die historische Zusammenh&#228;nge offenbaren oder Museen, die das Neue entdecken? oder am liebsten gar keine Museen mehr?</p>
<p>Weiter meint Blom, wir br&#228;uchten den Ballast der Vergangenheit. Wer weiterkommen wolle, brauche den Ballast, m&#252;sse aber auch bereit sein, einen Teil &#252;ber Bord zu werfen. Wie aber soll das gehen frage ich, wenn es keine Museen gibt, die archivieren, die gewichten und den Ballast f&#252;r uns aufbereiten und ordnen? Nicht f&#252;r mich und nicht f&#252;r Herrn Blom, aber f&#252;r viele andere Interessierte.</p>
<p>Kreativit&#228;t entspringe aus dem Bewusstsein der Verg&#228;nglichkeit und Sterblichkeit. Sch&#246;n gesagt, aber zu kurz gesprungen. Ist es die Schuld der Museen, dass den K&#252;nstlerinnen und K&#252;nstlern die Kreativit&#228;t fehlt? Sicher nicht, ganz im Gegenteil, bis heute sind Museen Hort der Kreativit&#228;t. Es ist eine Gesellschaft, die nichts im Verborgenen l&#228;sst, die tagt&#228;glich das Innerste nach Au&#223;en kehrt und die auch das Banalste massenmedial aufbereitet. Wer so lebt, braucht vielleicht keine Kunst mehr, die uns die Welt erkl&#228;rt und auch keine Museen mehr, die uns die Kunst erkl&#228;ren. Vielleicht finden wir aber in den Museen und Galerien dieser Welt auch das letzte bisschen Zauber, dass uns geblieben ist. Ich jedenfalls entdecke immer noch jeden Tag K&#252;nstlerinnen und K&#252;nstler voller Kreativit&#228;t, Fantasie und bebender Bildwelten.</p>
<p>Ein Satz von Herrn Blom gef&#228;llt mir aber einfach gut: „ In einer Welt, in der man keinen Schritt mehr gehen kann, ohne einem Kurator auf die F&#252;&#223;e zu treten, bleibt man am besten gleich stehen.“ Richtig, aber den Kurator abzuschaffen, ist der falsche Weg! Treten wir ihm doch einfach auf die F&#252;&#223;e und sagen ihm, wie es besser geht. Nur Mut!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.360-grad-blog.de/2008/01/08/schafft-die-museen-nicht-ab/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>6</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

