Kunstszene Rumäniens und Bulgariens im MKM

6. Juli 2007 | Kein Kommentar

In vielen Ländern des ehemaligen Ostblocks blühte nach dem Ende des Kommunismus die Kunstszene auf. Heute sind auch Bulgarien und Rumänien blühende Landschaften – jedenfalls wenn es um die Kunst geht. Das Museum Küppersmühle in Duisburg präsentiert in der Ausstellung PLUS ZWEI bis zum 26. August 2007 Künstler aus beiden Ländern, große Namen wie auch eher national bekannte, aber dennoch wichtige Künstler für die regionale Kunstszene.

Künstlerischer Leiter ist kein geringerer als Markus Lüpertz, der seit einigen Jahren eine Professur in Cluj innehat. Er hat der dortigen Kunstakademie einne hervorragenden Ruf beschert und die Qualität der Künstler ist durchaus ansprechend. Leider spricht sich das viel zu langsam herum.

Kuratorinnen der Ausstellung sind Iara Boubnova (Leiterin des Institute of Contemporary Art in Sofia) und Liviana Dan (Kunstkritikerin und Kuratorin für das Brukenthalmuseum in Sibiu (Hermannstadt). Auffällig ist in beiden Ländern die Rückbesinnung auf die Malerei, die anscheinend (oder scheinbar?) eine sehr große Rolle spielt, auch wenn Fotografie und Objektkunst in der Ausstellung vertreten sind. Ob dies tatsächlich der Fall ist oder den persönlichen Vorlieben der Kuratorinnen entspricht, erschließt sich leider nicht so ganz.

Ein Name überstrahlt alle anderen: Oda Jaune. Bisher war sie den meisten wohl nur als Ehefrau von Jörg Immendorf bekannt, sie war aber zuerst mal eine Schülerin von ihm und gilt schon lange als großes Talent Bulgariens. Nach dem Tod ihres Mannes dürfte sie wohl endgültig aus seinem Schatten treten und sich in den nächsten Jahren ganz ihrer Kunst widmen. Ihre figurativen Bildwelten neigen zum Traumhaft-Surrealen. Mit vier Arbeiten ist die 27-jährige Künstlerin vertreten.

Marius Bercea, It feels like being famous, 2006
Marius Bercea, It feels like being famous, 2006, © Marius Bercea

Aus Bulgarien ist auch Luchezar Boyadjiev mit großformatigen Zeichnungen dabei und einem “Sarg für Jesus” in Kreuzform. Unter den bulgarischen Künstlern sind auch Pravdoliub Ivanov, in diesem Jahr Künstler im bulgarischen Biennale-Pavillon in Venedig, und Nedko Solakov, der in diesem Jahr bei der documenta vertreten ist.

Aus Rumänien kommen fünf Künstler. Darunter ist Marius Bercea, der vor allem unscharfe, schemenhafte Szenerien malt. Spannend sind auch die Arbeiten von Dumitru Gorzo. Von ihm stammen eine Wand füllende Zeichnung von gebeugt sitzenden alten Frauen im traditionellen Kopftuch und die quietschbunten Reliefbilder “Phallische Frauen”. Gorzos Arbeiten sind ironische Kommentare zur vermeintlichen Rückständigkeit der Landbevölkerung der Region. Und immer wieder spielt auch die Erotik in seinen Arbeiten eine wichtige Rolle.

Eine wirklich sehenswerte Ausstellung, die mit vielen Vorurteilen aufräumt!

Justine Otto

20. März 2006 | Kein Kommentar

Whatever the Fuck I want, Justine Otto, 2005

Für mich ist Justine Otto eine der Entdeckungen des letzten Jahres. Kein Wunder. Als bekennender Lucien Freud- und Jenny-Saville-Fan kann ich gewisse Ähnlichkeiten nicht zurückweisen, auch wenn sie diesen Vergleich wahrscheinlich schon nicht mehr hören kann. Wie Freud und Saville malt auch Otto seelische Landschaften auf Körper und Gesicht ihrer Modelle. Das Thema ihrer großformatigen, gegenständlichen Malerei ist vor allem die Kindheit und das Erwachsenwerden und alles was damit zusammenhängt: Angst, Unsicherheit, Sehnsucht und Fantasie. Besonders spannend finde ich die Serie “t-shirt project”. Otto bildet hier junge Mädchen im T-Shirt ab. Die Gesichter sind in grellen Farben gemalt, wirken grob, aber charismatisch und bilden einen merkwürdigen Kontrast zu den T-Shirts, auf denen abgeklärte Parolen gedruckt sind, die den Bildern auch ihre Namen gaben: “great minds think”, “alles wird gut” oder “whatever the fuck I want”.

Noch sind ihre Bilder bezahlbar, lange wird das aber nicht mehr so bleiben. Vertreten wird Otto von der Frankfurter Galerie Barbara von Stechow, die übrigens ein ausgezeichnetes Programm hat. Wer in Frankfurt weilt, sollte sich unbedingt zu einem Besuch entschließen. Es lohnt sich.

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